«Headache» © by Pedro VeraHerzstück von David Allens Methode «Getting Things Done» (GTD) ist die Aussage: behalten Sie alle Ihre Verpflichtungen nicht im Kopf, sondern in einem Zuverlässigen System - weil Ihr Kopf keines ist.
Es gibt zahllose Mythen über das Gedächtnis, zum Beispiel: man kann nur 7 +/- 2 Dinge im Kurzzeitgedächtnis behalten; das Gedächtnis nutzt Bilder; oder: Erinnerungen verknüpft man am besten mit ungewöhnlichen Bildern. Zweifelhafte Leitlinien, die Ihnen ein unbegründetes Gefühl der Sicherheit geben können. Warum?
Hier sind 3 Gründe warum Ihr «psychisches RAM» kein zuverlässiges GTD-System ist:
- Emotionen beeinträchtigen Ihr Gedächtnis
Es wird zwar oft empfohlen, beim Lernen eine Information mit einem Gefühl zu verknüpfen, diese Technik hat aber ihre Schattenseiten, die in der (englischen) Wikipedia zusammengefasst sind:
Der Effekt der Stimmungskongruenz (mood congruence) führt dazu, dass man Informationen umso besser behält, je eher sie eine Stimmung auslösen, die zu ihrer aktuellen passt; zusätzlich merkt man sich in einer negativen Stimmung auch negative Informationen besser. Also sollte man immer positiv denken? Nein, denn hier gibt es eine Zwickmühle: wenn man versucht, tapfer und positiv eingestellt zu sein, obwohl die Situation eher trist ist, dann beeinträchtigt das das Gedächtnis.
An Ihrem Arbeitsplatz haben Sie vielleicht nicht immer die Zeit oder Gelegenheit, sich in die «richtige» Stimmung zu versetzen.
Der Effekt der stimmungsabhängigen Erinnerung (mood-state dependent retrieval) verbindet Ihre Stimmung beim Lernen mit der beim Erinnern: Je ähnlicher Ihre Stimmungen zu diesen beiden Zeitpunkten, desto besser können Sie sich erinnern.
Können Sie sich am Arbeitsplatz bewusst gleich fühlen, wenn Sie eine Information zunächst lernen und sich dann daran erinnern wollen?
Die verschiedenen Effekte von themenbezogenem gegenüber plötzlichem Auftauchen emotionaler Reize sind ein weiterer Grund, warum Ihr psychisches RAM kein zuverlässiges System ist: Sie können sich besser erinnern, wenn eine sich entfaltende Geschichte Sie dabei in die entsprechende Stimmung versetzt. Sie können sich schlechter erinnern, wenn emotionale Reize unkoordiniert, plötzlich, als Unterbrechung ankommen - wie das an vielen Arbeitsplätzen so üblich ist. - Chemie beeinträchtigt Ihr Gedächtnis
Sie können nach einer Tasse Kaffee besser sein beim Auswendiglernen. Er kann sogar den Gedächtnisverfall verlangsamen. Leider kann Kaffee auch zu mehr der sogenannten Tip-Of-the-Tongue (TOT)-Erlebnisse führen, wenn Sie sie am allerwenigsten gebrauchen können: Koffein führt zu mehr dieser quälenden Momente, in denen Ihnen etwas auf der Zunge liegt und Sie wissen, dass Sie es wissen, aber im Hagel unzusammenhängender Informationen einfach nicht darauf kommen - und dieser hagel ist auch ein verbreitetes Phänomen am Arbeitsplatz.
Medikamente (Z. B. gegen Schmerzen, psychische oder hormonelle Probleme) können zahllose Nebenwirkungen auf Ihr Gedächtnis haben, wie die Beipackzettel verraten. Bei den meisten Rezepten haben Sie keine Wahl bei den Inhaltsstoffen und Ihr Gedächtnis kann von dem beeinträchtigt werden, waas sie buchstäblich schlucken müssen, vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum. Man kann darüber streiten, ob Sie unter solchen Umständen überhaupt arbeiten «sollten», aber wahrscheinlich tun Sie es doch.
Chemotherapien und vergleichbar extreme Behandlungen führen zu dem, was englischsprachige Patienten «Chemobrain» oder «Chemofog» (Chemie-Nebel) nennen, nämlich zu gravierenden Problemen beim Formulieren, sich erinnern, gleichzeitigen Erledigen mehrerer Aufgaben, Lernen und generell mit der Arbeitsgeschwindigkeit.
Kaum jemand wird während solcher Behandlungen zur Arbeit gehen, aber wenn Sie darum kämpfen, soviele Dinge wie möglich in der eigenen Hand zu behalten, wollen Sie vermutlic nicht von der Gnade eines Gedächtnisses abhängen, das gerade nicht in Bestform ist. - Multitasking beeinträchtigt Ihr Gedächtnis
Während eines IQ-Tests Emails zu lesen und online zu chatten führt zu schlechteren Leistungen als bei Leuten, die dabei Haschisch rauchen. Als Angestellter haben Sie aber eventuell keine andere Wahl, als Ihren Posteingang fleißig auf die neuesten Mitteilungen Ihres Vorgesetzten zu prüfen.
Ständige Ablenkung führt zu stereotypisiertem Lernen, zum Lernen von Gewohnheiten oder Routinen: Sie können später das, was Sie gerade gelernt haben, nicht mehr auf neue Situationen übertragen, weil Multitasking die Art Ihres Lernens ändert: es aktiviert nicht die Hirnregionen, die für das lernen durch Verstehen zuständig sind. Zusätzlich stoppt das Gehirn, wie ein Computer, seine Arbeit an einer Aufgabe, während es eine andere bearbeitet - sie glauben nur, dass Sie «multi-tasken». Das traurige Ergebnis, festgestellt bei Studenten von US-Colleges: online zu chatten, Handys zu benutzen (insbesondere SMS) oder sich intensiv auf «social websites» zu tummeln (wie MySpace) korreliert nachweislich mit schlechteren Noten (Bill Klemm hat die Quellen dazu zusammengestellt).
Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Sie brauchen ein zuverlässiges System, und zwar eines außerhalb Ihres Kopfs. Andernfalls werden Sie vielen Aufgaben und Verantwortungen nicht gerecht.
Einige Vorschläge dazu von mir, in weiteren Artikeln:
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