Schütze Deine Inbox (3): Tschüs RSS!


«Rabbit Bread» © swruler, «Feld1» © carlsonimkeller«Rabbit Bread» © swruler, «Feld1» © carlsonimkellerOK, war nur Spaß...

Aber lassen Sie sich mal durch den Kopf gehen, was Al auf seinem (englischen) Blog geschrieben hat (zuerst gesehen als Gastbeitrag auf Stephens HD Biz Blog):

Hunderte von Emails pro Tag zu bekommen ist heute üblich. Jeden Tag entstehen 120.000 neue Blogs. Ganz offensichtlich gibt es ein Übermaß an information, und der einzige Weg aus dem Dikicht ist das Anreichern mit echtem Wissen. Informationen müssen noch auf die Wissensebene durchschlagen, aber das Management der Informationen wird immer schwieriger. Das bedeutet eine Evolution des Informationszeitalters, keine Revolution.
(Al)

Wissen verhält sich zu Information wie Brot zu Getreide. Müssen Sie also Brot selber machen, nur weil Sie Brot essen wollen? Kaum. Warum sollten Sie dann alle Nachrichtenkörner von allen RSS-Feldern dieser Welt von Hand sammeln, wenn Sie nur den Überblick behalten wollen?

Der dritte Teil dieser Miniserie Schütze Deine Inbox zeigt Ihnen, wie Sie in der Blogosphäre am Ball bleiben können, ohne jeden einzelnen RSS-Nachrichtenfeed da draussen selbst zu abonnieren. Die Tipps sind nicht für Leute wie Robert Scoble gedacht, die als erste alles über fast alles wissen wollen oder müssen (Sie können das im Sportteil des Internets nachlesen: How Scoble Reads 622 RSS Feeds Each Morning. Danach gehen Sie einfach z. B. auf LinkedFeed und suchen sich dort noch mehr interessante RSS-Feeds zum Abonnieren, falls Sie gerade nichts Anderes zu tun haben...).

Aber wenn Ihr Ziel nicht länger der Titel als Schnellster Erntehelfer des Internets ist, sondern eher als Brotgourmet des Jahres, dann ist die Lösung eigentlich einfach: suchen Sie sich gute Bäckereien. Wie es Tausende von spezialisierten Bäckereien gibt, so gibt es auch viele Arten von Websites, die RSS-Feeds aufbereiten:

  • Portale (sogenannte Aggregatoren)
    Aggregatoren, tja... aggregieren. Sie können auch andere Aggregatoren aggregieren. Ein gutes Beispiel ist popurls, wo man unter anderem auch Links aus RSS Trend-Detektoren (siehe unten) gesammelt findet.
    Tatsächlich sind Aggregatoren so etwas wie Webportale, also Ansammlungen von Fenstern mit Blick auf das jeweils Neueste von anderen Websites - der Blick reicht also in mehrere parallele Nachrichtenwelten, ohne dass der Aggregator inhaltliche Verbindungen zeigt oder gar knüpft.
    Die Website eines Aggregators durchzusehen macht ungefähr so schlau wie auf dem Fernseher unten das Laufband mit den neuesten Nachrichten anzuschauen. Ein bisschen besser als die aggregierten Websites einzeln von Hand aufzusuchen, aber sonst ohne besonderen Vorteil. Halten Sie sich besser fern davon.
  • RSS-Spartenkanäle
    Spartenkanäle sind auch noch keine echten Wissensbäcker, sondern eher spezialisierte Kornhändler. Schauen Sie sich als Beispiel Technorati Topics an, dort gibt es Kanäle wie Entertainment, Technology oder Politics. Die betreffenden Postings aus den gesammelten Blogs fließen einfach endlos vorbei, unbewertet, ungruppiert und ungefiltert.
    Ausser dem Aussortieren aller unpassenden Körnertypen wird hier nicht viel an Wissen ins Spiel gebracht. Genau gesagt: es werden alle Postings, die mit einer flirrenden Vielfalt von «irgendwie» passenden Tags versehen sind, unter einem stabilen, aber eher allgemeinen Kategorienamen versammelt. Wenn man mit solch breiten Kategorien leben kann, dann sparen einem die RSS-Spartenkanäle zumindest die Nachrichtensuche nach einer unordentlichen Menge von Tags.
  • RSS Trend-Detektoren & Trend-Macher
    Trend-Detektoren wollen aufkommende Trends entdecken, aufbauend auf einer simplen Überlegung: wo immer mehr Blogs über dasselbe reden, taucht wohl bald ein Trend auf. Oder weniger wohlwollend: die Blogosphäre wird oft als Echokammer belächelt, wo die meisten Artikel sich nur auf etwas beziehen, das sich auf etwas bezieht, da sich auf etwas bezieht... Der Trend als Lawine.
    Die meisten Trend-Detektoren spezialisieren sich auf eine Nische. Gabe Riveras Techmeme ist ein gutes Beispiel für einen technik-zentrierten Detektor: jeder (vermutete) Trend wird mit einem Titel und einem Textauschnitt aus einem Blogposting präsentiert, gefolgt von einer Liste anderer Blogpostings, die über denselben Trend diskutieren. Noch mehr Beispiele für Trend-Detektoren für Nischen wären das Promi-und-Klatsch-zentrierte WeSmirch, das den passenden Untertitel «Automatic Dirt Digger» hat, oder das auf Politik fokussierte Memeorandum.
    Es gibt extrem spezialisierte Trend-Detektoren, wie Frank Westphal's Rails Rivva (für Softwareentwickler, die sich für ein ganz bestimmtes Framework in einer ganz bestimmten Programiersprache interessieren), oder Gabe Riveras Ballbug (exklusiv für Fans der U.S. Major League Baseball). Am anderen Ende des Spektrums liegen sehr allgemeine Trend-Detektoren, wie das originale deutsche Rivva (auch von Frank Westphal). Manche der allgemeinen Detektoren sortieren auch nach Sparten vor, wie z. B. Tailrank, BuzzTracker oder Megite.
    Ein paar Trend-Detektoren funktionieren sogar als Trend-Macher: Rojo ermöglicht den Nutzern Bewertungen von Nachrichten, das ist wie Digg, nur exklusiv für Blogs.
  • Grenzgänger
    Grenzgänger bewegen sich aus der Blogosphäre hinaus und verbinden sie mit anderen Welten.
    Sphere zum Beispiel kann man sich als Mischung aus Google News und Technorati Topics vorstellen: jeder Trend bzw. jedes Thema wird mit Links auf Zeitungs-Websites (oder andere traditionelle Websites) präsentiert, daneben gibt es eine Spalte mit Links auf Blogpostings zum selben Thema.
    Damit Grenzgänger zwei Welten verbinden können, muss es natürlich etwas Gemeinsames geben. Anders gesagt: Grenzgänger können nur über Themen berichten, die im alles übergreifenden Nachrichtenuniversum bekannt sind. Aber, wie schon Goethe sagte: getretener Quark wird breit, nicht stark. Auf der anderen Seite diskutieren Blogs eher über Neuigkeiten als sie zu erschaffen, man kann also die Blogosphäre als nette Kommentar-Ergänzung jeder anderen Nachrichtenwelt nutzen (ok, für diese nonchalante Beschreibung der Blogosphäre verdiene ich ein paar Flames).

Ihnen ist sicher aufgefallen, dass das Angebot an deutschsprachigen Websites zum Thema eher dürftig aussieht. Ich bin für jeden Tipp dankbar, schreiben Sie mir doch Ihre Entdeckungen unten in einen Kommentar!

Antworten

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Allowed HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Die folgende Frage verhindert automatisierte Werbekommentare. Entschuldigung für die Unannehmlichkeit.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image without spaces, also respect upper and lower case.