Heute starte ich eine neue Reihe: Zitatequadrate. Es geht darin immer um die Balance zwischen zwei guten Dingen und deren schädliche Übertreibungen (s. Kasten unten).
Thema heute: Schicksal oder Freie Entscheidung?
Viele Einstellungen, die wir an anderen (oder an uns selbst) nicht mögen sind Übertreibungen eines guten Kerns, dem einfach das Gegenstück zur Balance gefehlt hat.
Wenn wir uns über das Verhalten eines anderen Menschen ärgern, sollten wir uns auf die Suche nach diesem guten Kern machen und ihn zuerst ausdrücklich anerkennen. Dann wird es leichter, einem Menschen zwecks Balance auch das Gegenstück dieses guten Kerns nahe zu legen, ihm einen Entwicklungsweg zu zeigen.
Auch das balancierende Gegenstück kann übertrieben werden: eine Übertreibung durch Ihr krasses Gegenteil zu ersetzen wäre eine Überkompensierung, keine wirkliche Verbesserung.
Zwei gute Dinge und ihre Übertreibungen bilden jeweils ein Quadrat von Wertvorstellungen und möglichen Entwicklungen. Das Wertequadrat als Konzept stammt von Paul Helwig, die Erweiterung zum Quadrat der Werte und Entwicklungsmöglichkeiten von Friedemann Schulz von Thun. Nur der Ausdruck als Zitatequadrat ist meine eigene Idee.
Freie Entscheidung oder Schicksal?
| «Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.»
Henry Ford |
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«Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.»
Reinhold Niebuhr (1892-1971) |
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«Was auch immer der Verstand sich ausdenken und glauben kann, kann er auch erreichen.» Napoleon Hill |
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«Das Schicksal lenkt die Angelegenheiten der Menschheit, ohne erkennbare Ordnung.» Seneca |
Was sind Ihre Gedanken dazu? Schreiben Sie doch gleich hier einen Kommentar!



Kommentare
Seneca übertreibt?
Na ich weiß nicht, hier liegt es wohl im Auge des Zitierenden, dass er das Zitat Senecas für eine “Übertreibung” hält. Es ist ein zugegeben radikaler Ansatz, aber eine Übertreibung?
Ist ja auch schon eine Weile tot...
@Stephan: naja, es liegt wohl eher an den 2000 Jahren zwischen Seneca und mir; ich würde mich zum Beispiel auch ganz sicher nicht umbringen, wenn Angela Merkel es mir beföhle :D ;-)
Das “römische” Verständnis von Schicksal ist heute nicht mehr so ganz hilfreich. Allerdings hat Seneca ja noch viele andere Qualitäten, ich werde ihn sicher auch noch im “grünen Bereich” mal zitieren!
Für mich ist es eigentlich ziemlich offensichtlich, wie vieles von ganz anderen Dingen abhängt als von einem anonymen Schicksal. Diese Einsicht ist aber, um mit Al Gore zu sprechen, “an inconvenient truth”, oder?
Heute ist es leider Mode, sich für ohnmächtig zu halten - zum Beispiel, den eigenen “ecological footprint” für verschwindend gering zu halten und daraus zu folgern, man müsse oder könne nichts tun. Kein Regentropfen glaubt eben, dass er ein Teil der Flut ist. Dazu hab ich schon mal was am “Blog Action Day” gebloggt, hier: http://www.evomend.net/de/heute-ist-blog-action-day
Seneca
Mit dem Selbstmordbeispiel begibst Du Dich auf dünnes Eis, damit tust Du Deinem Anliegen für mehr Sebstverantwortung keinen Gefallen, finde ich. Ich denke, es kommt auf die Druckmittel an, die Angela Merkel einsetzen würde.
Rommel hat sich auch auf Befehl des Führers erschossen, nachdem man ihm in Falle des Nichtgehorchens Konsequenzen für die Familie androhte. In solchen Situationen ist es aus mit der freien Selbstbestimmung.
Aber das sind menschliche Extremsituationen, keine Frage. Ich denke auch, dass das Schieben auf die äußeren Umstände sehr oft Bequemlichkeit ist. Allerdings bin ich, was die Wirksamkeit der Handlungen angeht, wesentlich pessimistischer. So ein Satz wie “der Tropfen…” klingt immer schön, fast schon poetisch. Ich will daher auch mit einem Dichterwort antworten: “Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.”
Wirksamkeit
Zu Seneca: Nach so langer Zeit kann man sich nur auf die etwas ausgeschmückte Überlieferung stützen - danach hat Seneca den Freitod allerdings nicht nach Drohungen gegen seine Familie gesucht. Angeblich ließ Nero Senecas Frau auch verarzten, als sie Seneca in den Tod folgen wollte. Sei’s drum, Du hast natürlich recht, nicht jeder Freitod ist wirklich frei und es liegt mir fern, erpresste Menschen auch noch post mortem zu kritisieren.
Zum steten Tropfen denke ich, dass man zwischen Wirksamkeit und “instant gratification” unterscheiden sollte. Tut auch jeder - wenn er z. B. Vitamintabletten nimmt, in den gelben Sack sortiert oder Geld spart.
Ob das alles was nützt? Lässt sich’s *beweisen*? Kaum. Trotzdem kein Grund, Chancen nicht zu nutzen, finde ich.
Die Balance
Hallo Rolf,
das Zitatequadrat ist eine super Idee! Bekanntermaßen gibt es ja für jeden Zweck ein passendes Zitat… Deshalb ist es gerade interessant, eine Balance zwischen den jeweiligen Ansichten zu finden. Mein Versuch eines solchen Mittelwegs für das Quadrat wäre etwa folgendes:
Du kannst nicht alles im Leben kontrollieren. Aber wenn das Leben Dir eine Chance bietet, musst Du sie wahrnehmen, wenn Du etwas erreichen willst. Und das funktioniert nur, wenn Du schon eine klare Vorstellung von Deinen Zielen hast, weil Du die Chancen sonst übersiehst.
Zugegeben etwas lang. Aber vielleicht brauchbar.
Viele Grüße und weiter so,
Sven-Alexander
PS Danke für die Aufnahme von BeYourBest bei Deinen Frischen Links…
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