Nur 4 Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem ein Leben voll Abenteuer und Luxus führen - Tim Ferriss will in seinem Buch «The 4-Hour Workweek: Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich» zeigen, wie das geht.
Hier kommt Teil 2 der Reihe über T4HWW. Die ganze Serie im Überblick finden Sie hier.
Erfinde Dich neu - die Definition
Alle Veränderung beginnt im Kopf. Tim Ferris vertritt einen sehr radikalen Ansatz. Aus dem Vergleich zwischen herkömmlichem und neuem Lebensstil leitet er Veränderungsschritte ab: Binsenweisheiten in Frage stellen, Furcht vor der Veränderung überwinden und schliesslich einen regelrechten «System Reset» fürs Leben vollziehen.
«Neue Reiche» versus «Verschieber»
Was machen nun die «Neuen Reichen» (New Rich, NR) anders als die «Verschieber» (Deferrer, D)?
- Verschieber arbeiten emsig bis zum «Ruhestand» - das Ziel lautet, möglichst früh in diesen «Ruhestand» gehen zu können. Neue Reiche streuen periodisch einen Mini-Ruhestand in ihr Leben ein und geniessen ihn, solange sie auch körperlich noch etwas davon haben.
- Verschieber wollen für die eigene Tasche arbeiten, Neue Reiche wollen für sich arbeiten lassen. Verschieber wollen Chef werden, Neue Reiche weder Chef noch Mitarbeiter, sondern Eigentümer.
- Verschieber wollen alles kaufen, was sie haben wollen. Neue Reiche wollen alles tun und sein, was sie wollen.
- Verschieber halten sich immer an die Spielregeln, Neue Reiche stellen Annahmen in Frage.
Alle Binsenweisheiten sind falsch
Wenn jeder das Problem identisch definiert oder löst und die Ergebnisse dürftig sind, dann wird es Zeit zu fragen: Was, wenn ich das Gegenteil tue? (Tim Ferriss)
Das umschreibt am besten Tims Einstellung, gängige Definitionen «geradezurücken». Wenig erfolgreiche oder sinnvolle Binsenweisheiten sieht er überall:
- Beschäftigt sein (busy-ness) wird mit Produktivität verwechselt. Lange Arbeitszeiten gelten als gut und bewundernswert, kurze als schlecht und als Symptom von Faulheit, unabhängig vom Resultat. Dauerstress adelt in den Augen anderer, obwohl er krank macht.
- Der Zeitpunkt ist nie richtig für ein Wagnis, es gibt immer Gründe dagegen.
- Statt persönliche Stärken bis zum Maximum zu nutzen, arbeitet man sich und seine Lebenszeit an der Verbesserung seiner Schwächen ab.
- Nicht das relative Einkommen (Einkommen / Arbeitszeit) gilt als wichtig, sondern das absolute Einkommen. Ob die Arbeitszeit alle Energie dabei auffrisst, ist egal.
- Mehr Geld als Ziel ist das sicherste Mittel, sich nie Gedanken darüber zu machen, was man täte, wenn man dieses Geld wirklich hätte.
- Immer um Erlaubnis zu bitten heisst, bei allem mit dem Nein rechnen zu müssen.
Ängste überwinden kostet…
im wesentlichen und ganz banal: Überwindung. Tim empfiehlt, den Worst Case sachlich und ruhig durchzuspielen, um Schwung zu holen:
- Wie hoch sind Risiko und Schaden wirklich, wenn ich meinen Lebensstil so radikal ändere, wie ich möchte - und einmal scheitere? Wie hoch sind die Chancen und der Gewinn, wenn ich es schaffe?
- Gibt es wirklich keine Chance (wie «alle» sagen), wieder auf die Beine zu kommen, wenn es schief geht? Was würde ich tun, um die Kurve zu kriegen? Wäre das wirklich nicht zu schaffen?
- Lebe ich jetzt im alten Trott wirklich besser als vor einem Jahr / vor 5 Jahren, wie ich es mir immer einrede? Oder ist das nur eine Ausrede für Passivität?
- Wenn 10 Jahre Passivität bei mir irreversible Schäden und verlorene Lebenszeit bedeuten, ist dann nicht eher das das Risiko?
System Reset - das neue Leben
Unrealistische Ziele sind leichter zu erreichen als realistische. Warum? Um die realistischen balgen sich alle Realisten, der Konkurrenzkampf ist dort viel größer.
Wie findet man heraus was glücklich macht? «Was willst Du wirklich?» oder «Was sind Deine Ziele?» sind als Fragen zu pauschal. Es fällt nicht jedem etwas dazu ein, und wenn doch, dann vielleicht eher aus Verlegenheit. «Glücklich sein» ist nicht die Antwort, das ist zu vage.
Tim Ferriss schlägt vor:
Helle Freude (excitement) ist das bessere Synonym für glücklich sein, und genau danach sollten Sie streben. Sie ist ein Wundermittel! (Tim Ferriss)
Etwas haben erzeugt selten helle Freude für lange Zeit. Etwas zu sein (ein guter Koch, ein toller Tänzer, …) oder etwas zu tun (Segeln in der Ägäis, Freunde finden, …) schon eher. Das Realität werden zu lassen, ist vielleicht weniger teuer, als Sie glauben - oder momentan fürs reine Haben ausgeben.
Dreamlining (dreams + timeline) nennt im Ferris seine 6- und 12-Monatspläne, in denen er wenigstens vier Träume aus den Bereichen Haben, Sein, Tun realisiert. Die Kosten? Tim Ferris rechnet
- die monatlichen Kosten für die vier Träume,
- seine sonstigen monatlichen Ausgaben
- und 30% der monatlichen Ausgaben (z.B. als Sparbetrag) zusammen
und nennt das sein monatliches Zieleinkommen (Target Monthly Income , TMI). Wenn Sie weniger Haben- und mehr Sein- und Tun-Träume entdeckt haben, kostet Sie der neue Lebensstil vielleicht weniger als Ihr bisheriger?
Mein Eindruck bisher
Für mich ist der wichtigste Teil der (Neu-)Definition der System Reset.
Viel von der Kritik, die Tim Ferriss einstecken muss, lautet etwa so: der beschriebene Lebensstil taugt nur für mobile, gesunde Singles in westlichen Ländern. Allerdings spielt Tim Ferriss Ängste nicht herunter. Er schreibt z.B., dass er natürlich für den Notfall im Alter spart und alle (in den USA) möglichen Vorsorgeprogramme mitmacht. Aber das sieht er mehr als Unfallversicherung fürs Leben, als letzten Strohhalm.
Was die Kritiker auch vergessen: Individuelle Träume vom Haben, Sein, Tun führen jeden zu seinem eigenen neuen Lebensstil. Das Buch ist voll mit Beispielen von Menschen im durchaus gesetzteren Alter, die eben ihre Träume auf ihre Art verwirklichen. Gerade der Fokus auf Sein und Tun statt auf Haben ermöglicht mehr Distanz vom ständigen Starren auf mehr Geld.
Wenn Sie nicht mehr wissen, wann Sie zuletzt helle Freude gespürt haben oder was sie tun oder sein möchten, um sie wieder zu spüren, dann wird es Zeit, darüber nachzudenken.
Und weiter…
Als nächstes: Tim Ferriss' The 4-Hour Workweek (3/5): Weniger ist mehr - die Eliminierung. Es gibt auch einen Überblick zur Serie.
[Update: Der dritte Teil der Serie ist: «Tim Ferriss' The 4-Hour Workweek (3/5): Weniger ist mehr - die Eliminierung»]






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