Nur 4 Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem ein Leben voll Abenteuer und Luxus führen - Tim Ferriss will in seinem Buch «The 4-Hour Workweek: Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich» zeigen, wie das geht.
Hier kommt Teil 3 der Reihe über T4HWW. Die ganze Serie im Überblick finden Sie hier.
Weniger ist mehr - die Eliminierung des Unnötigen
Der erste Schritt zum erfüllten Traum ist, so Tim Ferriss, die Eliminierung des Unnötigen. Tim fordert:
- Schluss mit «Zeitmanagement»!
- Strikte Informationsdiät einhalten!
- Unterbrechungen unterbrechen
Schluss mit «Zeitmanagement»!
Es geht nicht darum, in derselben Zeit immer mehr zu erledigen, «effizienter» zu werden, ob die Arbeit nun sinnvoll ist oder nicht. Es geht darum, effektiv zu werden, also die gesteckten Ziele zu erreichen.
1. Wenn man etwas Unwichtiges gut macht, wird es trotzdem nicht wichtig
2. Nur weil eine Aufgabe viel Zeit braucht, ist sie noch lange nicht wichtig.
(Tim Ferriss)
Tim beschreibt einige erprobte Techniken, effektiv zu werden und zu bleiben:
- Das Pareto-Prinzip (80/20-Prinzip) anwenden: welche 20% Ursachen lösen 80% Ihrer Probleme und Unzufriedenheit aus? Werden Sie sie los, klar und bestimmt, zur Not aber auch ganz rigoros und direkt.
Und umgekehrt: welche 20% Ursachen führen zu 80% der erwünschten Ergebnisse und Glücksgefühle? Darauf sollten Sie sich konzentrieren. Ziel ist, ein maximales Einkommen mit dem allerkleinsten Mindestaufwand zu erzielen. - Machen Sie sich in Kombination damit Parkinsons Gesetz zunutze: wenn die zu erledigende Arbeit automatisch die gesamte verfügbare Zeit ausfüllt - dann setzen Sie den Zeitrahmen präzise und eng. Sehr, sehr eng. Tim behauptet, das Ergebnis falle unter solchem Druck sogar besser aus als mit einem üppigen Zeitbudget.
- Rütteln Sie sich mehrfach am Tag auf und fragen Sie sich: Bin ich gerade produktiv oder nur beschäftigt? Suche ich irgendetwas, nur um dem Wichtigen aus dem Weg zu gehen? Eine gute Frage vor Beginn einer neuen Aufgabe ist: Wenn ich diese Aufgabe fertig bekomme, war es dann ein guter Tag? Versuchen Sie sich nicht in «Multitasking», sondern machen Sie eine Sache, aber richtig.
- Malen Sie sich aus, Sie hätten einen Herzinfarkt und dürften anschliessend nur zwei Stunden am Tag arbeiten. An was? Wenn Sie erneut einen Herzinfarkt hätten und danach maximal zwei Stunden pro Woche arbeiten dürften: an was?
Strikte Informationsdiät einhalten!
Als Einstiegsübung zur Informationsdiät empfiehlt Tim Ferriss ein einwöchiges Medienfasten: kein Fernsehen, keine Nachrichten-Zeitschriften oder Wochenzeitungen, kein Surfen im Web. Die gewonnene Zeit investieren Sie in die Familie, Freunde oder auch in etwas Sport.
Laut Tim Ferriss überfrisst sich der moderne Mensch mitlerweile an nutzlosen Informationen genauso wie an leeren Kalorien. Schlüsseltechniken der Eliminierung nutzloser Information sind für ihn:
- Selektive Ignoranz: alles ignorieren oder umleiten, was irrelevant, unwichtig oder lähmend (unactionable) ist.
- Nur Bücher von Machern mit Erfahrung lesen. Literatur von Möchtegerns und Trockenschwimmern bleibt aussen vor.
- Erfolgreiche Menschen anschreiben oder anrufen, mit vorbereiteten, konkreten Fragen. Tims Antwortquote liegt bei 80% - sagt er.
- Speed-Reading üben. Angeblich lässt sich die Lesegeschwindigkeit ohne Verständniseinbußen in 10 Minuten um 200% steigern.
- Lieber ein Ende mit Schrecken - als Langeweile ohne Ende: wenn Sie lesen und lesen und der Text beginnt schwach, lässt dann aber stark nach: weg damit. Die grundsätzliche Frage bei allen Sachbüchern ist zudem: Werde ich diese Informationen unmittelbar für etwas Wichtiges benutzen? Auf Vorrat zu lesen macht keinen Sinn, man kann also Bücher auch aus guten Motiven, aber einfach zur falschen Zeit lesen.
Unterbrechungen unterbrechen
Eine Unterbrechung ist alles, was die unmittelbare Erledigung einer kritischen Aufgabe verhindert. Per Definition sind die meisten Unterbrechungen damit ein Gräuel und gehören - unterbrochen.
Tim Ferriss teilt unerwünschte Ursachen von Unterbrechungen in drei Klassen ein: Zeitverschwendung, Routineaufgaben (time consumers) und fehlende Vollmachten.
- Zeitverschwender par excellence sind unnötige Alarme (Email, IM) und der Anspruch ständiger Verfügbarkeit. Abschalten heisst die Devise. Email wird nur noch mittags um 12:00 und nachmittags um 16:00 gelesen. Ein Abwesenheitsassistent (Autoresponder) informiert alle Absender darüber und gibt, ausdrücklich nur für dringende Fälle, eine Notfall-Telefonnummer an. Am Telefon wird dann knapp und direkt gefragt: Was kann ich für Sie tun? - anstatt das Gegenüber zum Plausch zu verleiten (Wie gehts…?)
Meetings dienen der Entscheidung und wenn eine Entscheidung schwerfällt, dann schlägt man eben eine Lösung auf Probe vor (Puppy Dog Close), das schafft vollendete Tatsachen. Was eigentlich die Frage ist, wird vor dem Meeting per Email geklärt. Generell kommuniziert Tim am liebsten , in absteigender Reihenfolge, per 1. Email, 2. Telefon, 3. persönlichem Treffen. - Routineaufgaben löst man durch Automatisierung (Daueraufträge, Anrufbeantworter, Autoresponder/Abwesenheitsassistent…) oder Sammeln und en gros abarbeiten. Lässt man dagegen Unterbrechungen jederzeit zu, dann gehen durch den ständigen Aufgabenwechsel, jedenfalls nach Studien, bis zu 28% der täglichen Arbeitszeit verloren, weil man sich immer wieder neu eindenken muss.
- Fehlende Vollmachten entstehen oft durch Micro-Management. Wer alles selbst entscheiden will, macht sich unentbehrlich und wird mit jeder Kleinigkeit belästigt, also aus wichtigeren Aufgaben herausgerissen. Eine Generalklausel wirkt Wunder: Wenn die Lösung unter 100$ kostet, fragen Sie bitte nicht erst mich, entscheiden Sie selbst. Eine gelegentliche Kontrolle der Resultate reicht völlig aus.
Mein Eindruck bisher
Als Chef hat man damit vermutlich wenig Probleme.
Angestellte brauchen wohl einiges Fingerspitzengefühl, um sich erfolgreich dem Verfügbarkeitsterror und den ständigen Unterbrechungen zu entziehen. Ich muss noch darüber nachdenken, wie das in einem deutschen Umfeld gut funktionieren könnte.
Als Freiberufler hätte ich es da leichter.
Und weiter…
Als nächstes: Tim Ferriss' The 4-Hour Workweek (4/5): Geld im Schlaf verdienen - die Automatisierung. Es gibt auch einen Überblick zur Serie.
[Update: Der vierte Teil der Serie ist: «Tim Ferriss' The 4-Hour Workweek (4/5): Geld im Schlaf verdienen - die Automatisierung»]






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