Tim Ferriss' The 4-Hour Workweek (5/5): Auf und davon - die Befreiung


Nur 4 Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem ein Leben voll Abenteuer und Luxus führen - Tim Ferriss will in seinem Buch «The 4-Hour Workweek: Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich» zeigen, wie das geht.

Hier kommt Teil 5 der Reihe über T4HWW. Die ganze Serie im Überblick finden Sie hier.

Auf und davon - die Befreiung

Nicht das Einkommen, das Auto oder die Familie definieren die «Mittelklasse» - so Tim Ferriss. Sondern, dass sie ortsgebunden ist. An einen Ort förmlich gekettet. Von der Überwindung der Furcht bis zum Spaß auf Rädern, Flügeln oder Planken präsentiert er ein Programm, das befreit und mobilisiert - nicht nur sportliche Singles:

  • Abrakadabra: Wie man aus dem Büro verschwindet
  • Ist es das wert? Kaputte Jobs
  • Mobil werden: Ruhestand auf Raten
  • Nach der Arbeit: Das Leben mit Leben füllen
  • Zum Schluss

Abrakadabra: Wie man aus dem Büro verschwindet

Wer aus dem Büro verschwinden will, braucht (als Angestellter) die Erlaubnis zur Telearbeit. Tim Ferriss schlägt eine mehrstufige Taktik vor.

Zunächst sollte man seinen Wert für das Unternehmen erhöhen. Das beginnt mit dem Geld, dass das Unternehmen investiert: wer an (teuren) Schulungen teilnimmt, wird zur Investition, also sollte man nicht nur aus fachlichem Interesse auch nach Schulungen fragen.

Wer aus dem Büro verschwinden will, muss auch demonstrieren, was Telearbeit bringt. Als Gelegenheit bietet sich zum Beispiel eine kürzere Erkrankung an - man kann nicht ins Büro kommen, aber zuhause dennoch etwas Arbeit erledigen. Es sollte deutlich mehr erledigt werden, als man an einem normalen Arbeitstag schafft. Und: das sollte im Unternehmen auch bemerkt werden, als Erklärung gibt man etwa volle Konzentration auf die Aufgabe an, wegen fehlender Unterbrechungen. Auch ein langer Anfahrtsweg kann Stress verursachen, die Produktivität senken und deshalb im Plädoyer für Telearbeit verwertet werden. Weil «höhere Produktivität» nur in Zahlen ausgedrückt wirklich Eindruck macht, lässt man die Vorgesetzten eine Steigerung natürlich auch geeignet wissen.

Hat das gewirkt, schlägt man einen Versuch auf Zeit vor: einen, zwei, drei, … Tage pro Woche von zuhause arbeiten, den Rest im Büro. Die Arbeit zuhause sollte ausnahmslos produktiver ausfallen als im Büro - selbst wenn man nachhelfen muss… Eine Alternative dazu ist die Sanduhrtaktik: die Arbeitszeit im Büro wird periodisch zugunsten der Telearbeit verringert und dann wieder vergrößert. Tim liefert auch noch Argumentationshilfen, falls Vorgesetzte beim Wunsch nach Telearbeit abwiegeln oder eine negative Wirkung auf die Kolleginnen und Kollegen befürchten.

Ist es das wert? Kaputte Jobs

Wer mehr Optionen hat, hat mehr Macht. Auch die Umkehrung gilt, besonders für den Arbeitsmarkt. Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job ist eine starke Motivation, aber reicht alleine nicht aus.

Ob man eine feste Stelle aufgibt oder zumindest eine neue Stelle sucht, hängt auch davon ab, welche Antworten auf existenzielle Ängste man findet:

  • «Ich komme nie wieder in den Job rein»
  • «Ich kann meine Rechnungen nicht mehr bezahlen»
  • «Ich bin dann nicht mehr krankenversichert»
  • «Meine Rentenversicherung fällt zu mager aus»
  • «Wie sieht das denn später in meinem Lebenslauf aus?»

Tim beschränkt sich hier im wesentlichen auf einen Querverweis auf den ersten Teil des Buchs, und das ist gut so. Spätestens jetzt müssen tief sitzende Ängste analysiert und angegangen werden. Stimmt das, was ein Angstgefühl mir sagt?

Mobil werden: Ruhestand auf Raten

Statt verbissen auf einen «Ruhestand» erst am Lebensabend hinzuarbeiten, verteilt man diese Jahre besser portionsweise über das gesamte Leben.

Die nötige Vorabeit (Dreamlining) wurde bereits im ersten Teil des Buchs beschrieben, jetzt geht es um die konkreten Pläne. Tims Empfehlung ist radikal: unabhängig ist man erst dann, wenn man immer wieder einen bis sechs Monate am Stück im Ausland verbringt. hat man sich mehr auf Träume von Sein und Tun konzentriert, dann sind die Kosten dafür überschaubar. Auch die Lebenshaltungskosten können unter dem Strich geringer ausfallen - Tim erläutert seine persänliche Bilanz für verschiedene Länder, aufgeschlüsselt nach Flug, Wohung, Essen, Lernen, Verkehrsmittel….

Billiger als zuhause wird es natürlich nur, wenn man kein zuhause mehr hat. Ganz wörtlich: man sollte seine Mietwohnung ausräumen und das wichtigste einlagern - oder gar das Haus verkaufen. Wenig behalten und wenig mitnehmen ist Tims Devise: nach dem Pareto-Prinzip behält er nur die 20% meistbenutzten Dinge. Kommt er zu dem Schluss, dass ihm etwas eher Stress als Freude bereitet, gibt er es weg oder verkauft es.

Lästige Routineaufgaben werden automatisiert (zum Beispiel über Daueraufträge oder Einzugsermächtigungen), für Notfälle erteilt er Menschen, denen er absolut vertraut Vollmachten.

Nach der Arbeit: Das Leben mit Leben füllen

Was passiert, wenn dann fast alle Arbeit abgestreift ist und der Wohnsitz im 4-Wochen-Takt wechselt? Nichts. «Es» passiert nichts. Tim Ferriss macht sich nicht über anfängliche Konsum- und Reisewünsche lustig, er rät zum Ausleben.

Aber irgendwann schmecken die Cocktails an der Bar eben nicht mehr. Zweifel stellen sich ein, Fragen, ob «die Leute» nicht doch recht hatten. Die Ursache: wenn man nach dem Subtrahieren der Arbeit nichts Besseres zum Leben addiert, dann serviert es einem auch niemand auf dem Silbertablett. Das fängt bei Klassikern wie der Frage nach dem Sinn des Lebens an: Tim rät: Wenn Du die Frage nicht wirklich definieren oder ohnehin nichts ausrichten kannst, vergiss es.

Als Teilzeit-Einwohner in fremden Landen tut man gut daran, die Landessprache zu lernen und sich unter die Bevölkerung zu mischen - womit schon eine sinnvolle Beschäftigung gefunden wäre. Zur Ergänzung schlägt Tim vor, pro Land etwas zu lernen, was Körpereinsatz fordert. Beides zusammen verstärkt auch die Sozialkontakte, denn gemeinsame Hobbies verbinden über Sprachprobleme hinweg. Die ultimative Berufung für jedermann und jedefrau wird man im Buch nicht finden. Tims Ratschlag dazu ist sehr pragmatisch: werde mit Deinem Anliegen nicht zum Moralsnob und höre auch nicht auf solche. Dass Menschen unter Brücken schlafen müssen ist kein Argument gegen Tierschutz. Möglichkeiten, anzupacken gibt es genug - gib Dein Bestes und hoffe das beste.

Zum guten Schluss

Das Buch endet mit zwei Kapiteln zu Motivation und Ressourcen (darunter viele Online-Links), die zu besprechen hier nicht sinnvoll wäre. Für alle Aspekte des DEAL findet sich etwas, das Buch hat also auch brauchbare Anhänge.

Mein Eindruck

Tims Buch ist sicher eines der anregendsten der letzten Jahre für mich. Es stellt konsequent Binsenweisheiten infrage und ist eine Frontalattacke auf viele Sicherheitsbedenken. Viele Tipps scheinen unmoralisch, doch Tims Position dazu ist klar: nur Gesetze und Naturgesetze sind unumstößlich, alle anderen Regeln lassen sich kreativ interpretieren («to bend», sagt er genau genommen). Mir ist das in vielen Fällen zu plump, mir gibt es zum Beispiel wenig, Wettkämpfe mit dieser Art Kreativität zu gewinnen.

Könnte ich jemandem empfehlen, Tims Ratschlägen zu folgen? Nein. Wer mich um einen solchen Rat bäte, hätte noch nicht den Biss, sein Leben derartig umzukrempeln.

Würde ich selbst Tims Modell folgen? Nicht blindlings. Muss ich aber auch nicht, ich kann vieles ohne besonderes Risiko ausprobieren. Genau das habe ich vor.

Und weiter…

Das war der letzte Teil zu Serie - hier gibt es einen Überblick. Ich werde sicher einiges ausprobieren und zu jedem Experiment meine Erfahrungen auf Evomend posten. Da ich in Deutschland lebe, werde ich mir wohl viele Pendants zu Tims internationalen Dienstleistern und US-amerikanischen Websites suchen müssen. Spannend!


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