22 Arten, Nein zu sagen


No Entry sign 1 © Melodi TNo Entry sign 1 © Melodi TNein ist gar nicht so negativ, wie man denkt: Nein zu sagen bedeutet immer, Ja zu etwas Anderem zu sagen. Es werden Grenzen gesetzt, um dieses Andere zu schützen. Auch wenn man seine eigenen Interessen wichtig genug nimmt und zu schützen bereit ist: das Nein fällt vielen Menschen extrem schwer.

Und selbst wenn es (endlich!) ausgesprochen ist, wird es nicht immer respektiert, sondern oft manipulativ untergraben oder überhört. Zeit zur Gegenwehr. Sie finden hier einen Werkzeugkasten - aber kein Waffenarsenal - zur Selbstbehauptung. Wenn Sie lernen, Ihre Grenzen klar aufzuzeigen und freundlich, aber bestimmt Respekt dafür zu verlangen, fühlen Sie sich nicht nur besser sondern entwickeln sich auch persönlich weiter. Obendrein haben Sie auch mehr Zeit für Ihre Interessen. Los geht's:

  1. Erfrischende Ehrlichkeit: Sie sagen einfach den Grund, warum Sie etwas nicht tun können oder wollen. Lässt sich besonders gut bei Freunden und Verwandten trainieren - aber das wissen Sie ja schon lange. Wann immer Sie Nein sagen wollen, überwinden Sie Ihr Höflichkeitsbedürfnis und sagen Sie freundlich, aber bestimmt einfach die Wahrheit.
  2. Probieren Sie es mit Humor: Greifen Sie zum Beispiel zu «Geht nicht, ich möchte mehr Zeit mit meinem Mixer verbringen» oder zu einem von 100 anderen Gründen. Das geht natürlich nur unter Freunden, denen Sie damit augenzwinkernd zu verstehen geben, dass Sie den wahren Grund momentan nicht nennen wollen.
  3. Prinzipientreue: Sie sagen «So etwas tue ich aus Prinzip nicht», eventuell gefolgt von einem «Damit habe ich äußerst schlechte Erfahrungen gemacht» oder, etwas aggressiver, von einem «Ich halte das für amoralisch». Wenn Sie in der Vergangenheit eine bittere Lektion gelernt haben: wozu den selben Fehler noch einmal machen? Sie sollten sich allerdings nicht auf Prinzipien berufen, für die Sie nicht einstehen wollen.
  4. Mut zusprechen: Sie sagen «Ich spüre, dass Sie das selbst können. Sie waren letztes Mal schon ein bisschen besser als ich darin. Ich bin gespannt auf Ihre Lösung!» Gut geeignet im Gespräch mit Zögerern und Zauderern. Bei Menschen ohne viel Selbstwertgefühl brauchen Sie hier einiges an Geduld.
  5. Der Vorname als Zauberwort. Statt «Nein» sagen Sie «Nein, Michael.» Eine gute Einleitung bei Gesprächspartnern, die Ihnen prinzipiell mit einem Aber ins Wort fallen, sobald Sie Gründe für Ihre Ablehnung nennen wollen. Der Vorname stimmt Ihr Gegenüber auf eine persönliche Gesprächsebene ein und macht klar, dass Sie grundlegende Bedenken haben.
  6. Der Präventivschlag: Sie sagen «Bevor es losgeht: ich habe kommenden Monat leider keine freie Minute mehr und kann mich hier nur als stiller Zuhörer beteiligen» oder «Danke für die Einladung! Ich kann leider in den kommenden Wochen kaum noch vorbei schauen, ich habe gerade beruflich viel Stress». Eine mögliche Notbremse zum Beispiel vor Besprechungen, in denen andere vor Publikum über Ihre Zeit verfügen wollen, in der Annahme, dass Sie sich unter Gruppenzwang nicht wehren werden.
  7. Der hohe Anspruch an sich selbst: Sie sagen «Ich kann im Moment keine neuen Verpflichtungen eingehen, sonst hätten meine bestehenden darunter zu leiden». Das bietet sich an, wenn Sie in die Kompetenzfalle getappt sind: weil Sie gut sind, lädt man Ihnen immer mehr auf. Bis Sie nicht mehr gut sein können, weil Sie alles nur noch halb erledigen können.
  8. Die Fußgängerzonen-Taktik: Sie sagen gar nichts und gehen einfach vorbei. Empfehlenswert beim Spießrutenlauf durch Flugblattspaliere - sobald Sie stehen bleiben und diskutieren, haben Sie bereits verloren.
    Ähnliches gilt für Spam-E-Mails: antworten Sie niemals. Erst recht nicht, wenn Sie sich damit angeblich aus einer unerwünschten Mailing-Liste austragen können. Sie würden damit nur bestätigen, dass Sie auf solche E-Mails antworten. Das wäre wunderbar - für den Spammer, der seinen Geschäftspartnern dann eine garantiert ansprechbare Adresse mehr verkaufen kann.
  9. Bitte hinten anstellen: Sie sagen «Ja, sicher! Das wird der wichtigste Schritt, gleich nachdem ich unsere Niederlassung in Schanghai aufgebaut habe». Sollten Sie keine Geschäfte in Schanghai machen, wählen Sie eben etwas ähnlich Langwieriges - es muss nur so wichtig sein, dass niemand auf die Idee kommt, man könne es später oder einfach nebenbei erledigen. Kennt jeder die anstehenden Probleme, dann genügt auch ein «Wir reden wieder darüber, sobald es hier wieder etwas ruhiger läuft.»
  10. Die Endlosschleife: Sie sagen «Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen, aber ich habe kein Interesse». Immer wieder, auf jede Frage, bis Ihr Gegenüber aufgibt. Natürlich geben Sie keinerlei Vermutung zum Besten, worauf der Frager denn hinaus wollen könnte. Hilft besonders bei lästigen Verkäufern am Telefon.
  11. Der Zugzwang: Sie sagen so lange «Aha… Was gibt es noch für Alternativen?» bis keine Vorschläge mehr kommen und abschließend pauschal ein «Das gefällt mir alles nicht so recht. Überlegen Sie sich bitte noch was Anderes.» Eignet sich gut für wirklich schlechte Ideen, die schon vor einem passenden Problem zur Welt kamen und die Sie nicht bis ins Detail ermüdend diskutieren wollen.
  12. Das Gäste-Nein: Sie sagen «Ein bisschen später vielleicht, danke» oder «Ich muss kurz Pause machen». Das ist freundlicher als «Nein danke, ich bin wirklich satt.»
  13. Die Zwickmühlen-Taktik: Sie spielen den Ball zurück und sagen «Ich habe meinem Sohn schon versprochen, jetzt mit ihm ins Stadion zu gehen. Soll ich ihn enttäuschen?» oder «Klingt viel spannender als das, was ich zu der Zeit tun muss, aber das ist zu wichtig, tut mir Leid.»
  14. Die kleine Einstiegshürde: Sie sagen «Gerne! Erinnern Sie mich doch bitte per E-Mail daran, ich stelle Ihnen dann die Unterlagen zusammen und maile sie Ihnen». Nützlich bei menschlichen Hamstern, die anderen gern bedenkenlos Mehrarbeit aufbürden - man könnte die Resultate ja vielleicht mal brauchen und Fragen kostet ja nichts…
  15. Die grauenhafte Alternative: Sie sagen «Auf Tom Cruise habe ich gerade keine Lust, aber wir könnten uns doch meine Sammelbox mit Doris-Day-Filmen mal angucken, was meinst Du?». Eignet sich gut für Plagegeister, die ziemlich unzutreffende Vorstellungen von Ihren Interessen und Neigungen haben oder Sie umerziehen möchten. Nehmen Sie statt Doris Day aber lieber ein Thema, das Sie wirklich mögen - Ihr Angebot könnte ja angenommen werden.
  16. Die billige Alternative. Sie sagen: «Herr Westphal, ich kann leider an der Besprechung selbst nicht teilnehmen, aber wenn Sie wollen, kann ich Ihre Präsentationsfolien vorher durchsehen.» Geben Sie eine solche Antwort, wenn Sie es Leid sind, jemandem regelmäßig das Händchen zu halten.
  17. Die Spanische Inquisition: Sie sagen «Heute abend klappt's bei mir nicht mit dem Geschäftsessen. Wollten Sie denn noch etwas Anderes mit mir besprechen als den Geschäftsbericht?», «Sie haben mich zu einer einstündigen Besprechung ohne Tagesordnung eingeladen. Wofür brauchen wir denn so lange?» oder «Brauchen wir wirklich noch mehr Zeit für dieses eine Thema oder gibt es da noch etwas Anderes zu besprechen?» Solche bohrenden Sinnfragen passen besonders im Geschäftsleben, wenn Ihr Gegenüber nicht zum ersten Mal sinnlos Ihre Zeit zu verschwenden droht.
  18. Die Bedenkzeit-Strategie: Sie sagen «Ich werde darüber nachdenken» oder «Das ist mir zu kurzfristig». Auch ein «Das muss ich zuerst mit meiner Frau besprechen, wenn Sie wieder Zeit hat» funktioniert - selbstredend wissen Sie noch nicht, wann sie dazu Zeit haben wird. Apropos: es kann ohnehin nicht schaden, über Wichtiges gründlich nachzudenken und sich mit Vertrauenspersonen darüber zu beraten. Sagen Sie nie spontan ja, wenn Sie kein gutes Gefühl bei einer Sache haben.
  19. Das gelebte Risikomanagement: «In den letzten zwei Jahren habe nur ich diese Aufgabe erledigt. Schon zwei mal war ich krank und niemand konnte einspringen. Lassen Sie zur Abwechslung mal Herrn Schürig da ran, sonst kommen wir immer wieder in diese Bredouille.» Nennen Sie aber niemals jemanden, der der Aufgabe nicht gewachsen ist.
  20. Die Inkompetenz-Taktik: Sie sagen «Dafür reicht meine Qualifikation nicht aus.», «Das ist keine meiner Stärken.» oder «Davon habe ich leider keine Ahnung, aber Frank kennt sich damit gut aus.» Hilfreich bei einem Gegenüber, das bei Ihnen ständige Verfügbarkeit und Dienstbereitschaft vorauszusetzen scheint.
  21. Die Mitleids-Retourkutsche: Sie sagen «Das tut mir wirklich Leid für Sie», wenn Sie permanent von derselben Person mit mitleidsheischenden Andeutungen traktiert werden, etwa «Ich hab ja schon versucht, so einen tollen Transporter wie Ihren zu mieten, aber das ist ja sooo teuer.»
  22. Die rabiate Schlußfrage: «Welchen Teil von NEIN haben Sie gerade nicht verstanden?». Bietet sich besonders bei extrem aufdringlichen Verkäufern an und bei allen anderen, die die ersten beiden Neins nicht verstanden haben - oder partout nicht verstehen wollten.

Und Ihre Erlebnisse?

Welche Erlebnisse haben Sie denn mit Ihren Neins gemacht? Erzählen Sie uns doch unten in einem Kommentar von Nein-Nichtverstehern und probaten Taktiken.


Comments

Mit Nummer 20 habe ich schon

Mit Nummer 20 habe ich schon sehr oft Erfahrungen machen dürfen. Zufällig verwendete ich das Inkompetenz-Nein auch aus dem Grund des “Ständig-verfügbar-sein-müssens”, ohne mir jemals darüber Gedanken gemacht zu haben.

Mich würde ein Artikel über Prinzipien interessieren, der ein wenig genauer auf verschiedene Aspekte des Themas eingeht (das nur mal so als Anregung).

Bin in Deckung...

… gegangen, damit mich der gewunkene Zaunpfahl nicht erschlägt! ;-)

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