Aus 50.000 Fuß Höhe betrachtet


Goodbye © woodley wonderworksGoodbye © woodley wonderworksAuf jedem Flug geschieht wieder und wieder ein kleines Wunder. All das hektische Gewimmel der Erde wird kleiner und kleiner, sobald das Flugzeug abhebt. Die Häuser verschmelzen zu Dörfern und Städten. Die Städte versinken im Flickenteppich der Erde, der Geist befreit sich vom alltäglichen Ballast und geht auf Reisen.

Das Gefühl ist so eigenartig, dass ich mich wundere, was Astronauten (Kosmonauten und Taikonauten natürlich auch) wohl fühlen, wenn sie zum ersten Mal die ganze Erde sehen. Man kann sich einfach nicht mehr gegen das Bedürfnis wehren, etwas von bleibendem Wert zu tun, über die eigene Existenz hinaus, heute noch.

Die besseren unter den Selbstmanagement-Autoren, wie David Allen («Getting Things Done», GTD), ermutigen zu dieser 50.000-Fuß-Perspektive; Stephen R. Covey, Autor der «7 Wege zur Effektivität» schlägt sogar vor, für sich selbst ein Mission Statement, einen regelrechten Einsatzbefehl als persönliche Leitlinie zu formulieren. Warum, fragt man sich, sinken dann solche im wahrsten Sinne des Wortes wesentliche Pläne in sich zusammen, sobald die Füße wieder den Erdboden berühren?

Ich glaube, weil etwas über die eigene Existenz hinaus zu vollbringen nicht so funktioniert, wie viele sich das vorstellen. Stattdessen:

  1. setzt es voraus, dass man Rollen und Verantwortlichkeiten akzeptiert, keine Klischees. Man muss umfassend begreifen, welcher Sache man sich verschreibt. Man muss Erwartungen erfüllen. Man muss anderen zeigen, dass Sie einem vertrauen und sich auf einen verlassen können. Falls nötig, sogar ihr Leben lang. Man muss verinnerlicht haben, dass man mit anderen Menschenwesen zu tun hat, die die gleiche Würde und die gleichen Rechte besitzen, auch wenn sie im Leben nicht die gleichen Chancen haben.
  2. setzt es voraus, dass man tut, was nötig ist und nicht, was man tun möchte. Man muss begriffen haben, was Altruismus wirklich bedeutet. Altruismus bedeutet Handeln, keine behaglichen Fantasien über die Dankbarkeit unselbständiger Mündel für Wohltaten.
  3. setzt es voraus, dass man tut, was nötig ist, nicht was den Bekanntheitsgrad (oder die Berühmtheit) steigert. In den Worten von Harry S. Truman: «Man glaubt gar nicht, was sich alles erreichen lässt, wenn keiner den Ruhm dafür einstreichen will.» Oder, wenn Sie Cato den Älteren bevorzugen, der von 234 v. Chr. - 149 v. Chr. lebte: «Wenn ich tot bin, soll man lieber fragen, warum es kein Denkmal für mich gibt als warum es eines gibt.»

Eine bekannte Redensart im deutschsprachigen Raum lautet: Drei Dinge muss man in einem erfüllten Leben erreichen: ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, ein Kind haben. Wahrscheinlich sind das drei Wünsche, wie sie von vielen auf der Welt geteilt werden. Kaum erstaunlich, dass jeder der drei über die individuelle Existenz hinausreicht.

Was kann man tun, wenn keiner dieser Wünsche in Reichweite scheint?

Ein Haus bauen, wenn es nicht möglich ist

Medina von Zabid, Jemen: Photo © Aiace TelamonioMedina von Zabid, Jemen: Photo © Aiace TelamonioSie glauben also, dass Sie niemals genug Geld haben werden, um ein Haus zu bauen oder zu kaufen. Ein deprimierendes Gefühl.

Kennen Sie die berühmte Liste des UNESCO-Welterbes, auf der Monumente, Gebäudeensembles und weltbekannte Stätten stehen? Mittlerweile sind 851 herausragende Einträge aus der ganzen Welt darin enthalten, wie die Chinesische Mauer, der Taj Mahal in Indien oder der Yosemite National Park in den USA.

Aber wussten Sie auch, dass es eine Rote Liste des gefährdeten Welterbes gibt? Auf ihr stehen «Stätten des UNESCO-Welterbes, für deren Bewahrung signifikante Anstrengungen nötig sind, für die um Hilfe gebeten wurde», um die UNESCO World Heritage Convention zu zitieren. Beim genaueren Hinsehen ist es traurig, wie viel von unserem universellen Erbe unmittelbar vor Zusammenbruch und Auslöschung stehen.

Das geschieht vielleicht auch in Ihrer Nachbarschaft, wo die UNESCO so bald nicht zur Hilfe eilen wird. Wenn Sie ein lokales Stück Kulturerbe kennen, das etwas ganz Besonderes ist, dann helfen Sie es zu schützen und zu bewahren. Es gibt eine Menge Dinge, die man tun kann, ohne dass es Geld kosten muss. Um nur drei zu nennen:

  1. Versprechen Sie sich selbst, ein Stück Kulturerbe sauber zu halten. Hier gibt es keinen Ruhm zu ernten. Vielleicht sogar eher Gelächter, wenn Sie der einzige sind, der hinter Menschen sauber macht, die gedankenlos Ihren Müll einfach fallenlassen. Einige Besucher aber könnten sich darüber freuen, dass jemandem dieser besondere Platz wirklich etwas bedeutet.
  2. Statt einer Geldspende: bieten Sie Ihr Wissen und Können an, um eine Stätte zu erhalten. Ob Naturschutzgebiet oder Denkmal: Sie können Hilfe bei Sanierung oder Pflege anbieten; Sie können Informationen sammeln und aufbereiten, für Besucher wie für Einheimische; Sie können bei Regierungs- und Verwaltungsstellen vorstellig werden und um Unterstützung bitten.
  3. Werden Sie Mitglied einer Gruppe, die sich um Stätten in Ihrer näheren Umgebung kümmert - oder gründen Sie selbst eine. Sammeln Sie Spenden; schreiben Sie Artikel für Lokalzeitungen oder regionale Zeitschriften (ja, Sie sind gut genug dafür!); bieten Sie regelmäßige Führungen in der oder um die Stätte herum an. Sammeln und veröffentlichen Sie (geht auch im Selbstverlag, mit bescheidenen Mitteln) historische Informationen darüber. Zeigen Sie anderen, was Sie fasziniert hat.

Einen Baum pflanzen, wenn es nicht möglich ist

Photo © by Scott RobinsonPhoto © by Scott RobinsonBäume sind echte Freunde. Sie halten den Boden fest, damit der Wind ihn nicht davon trägt. Wälder sind wie riesige Schwämme: sie halten Wasser fest, das ansonsten unsere «zivilisierte» Welt überfluten würde. Und sie geben Wasser an Trockengebiete ab, die sonst zur Wüste würden. Wenn Sie in den Bergen unterwegs sind, schützen Bäume Sie vor Steinschlag. Und Lawinen treffen zuerst die Bäume, nicht Sie.

Was geben Sie den Bäumen zurück? Vielleicht möchten Sie im wahrsten Sinn des Wortes einen Baum pflanzen. Darüber schreibe ich hier nichts, es gibt genügend Rat dazu online und mein einziger Vorschlag wäre, dass Sie sich mit einem Fachmann besprechen und eine ortstypische Sorte aussuchen. Wenn Sie zuhause keinen Baum pflanzen können, aus welchem Grund auch immer, dann bleiben Ihnen immer noch eine Menge Alternativen. Hier sind drei davon:

  1. Beteiligen Sie sich am Tag des Baums in Ihrem Land. Seine Geschichte ist bemerkenswert. Schließen Sie sich mit Gleichgesinnten zusammen. In vielen Ländern wird der Tag des Baums mit Pflanzaktionen gefeiert, die nicht nur symbolisch gemeint sind. Helfen Sie bei der Vorbereitung dieses Tags. Lernen Sie, die verschiedenen Baumsorten zu erkennen. Bieten Sie Führungen an und machen Sie andere mit den Raritäten vertraut, die Sie in Ihrer Stadt entdeckt haben.
  2. Informieren Sie sich, wie die Zerstörung von Wäldern Sie ganz persönlich betrifft, auch wenn das in Ländern geschieht, die Sie nur dem Namen nach kennen. Helfen Sie, diese Zerstörung zu stoppen und kaufen Sie bewußt ein, z.B. durch Verzicht auf Tropenhölzer.
  3. Wenn es für Sie finanziell machbar ist, spenden Sie: zum Beispiel für Pflanzaktionen im Mangrovenwald oder für ein Stück Refugium für Orang Utans. David Attenborough, Regisseur und bekannter Naturfilmer sagt: «Ich habe das immense Glück gehabt, das mein Beruf mich in alle Weltgegenden geführt hat und ich selbst einige der seltensten und spektakulärsten Lebensformen sehen durfte. Aber das Schicksal der Geschöpfe auf unserem Planeten liegt ganz n der Hand des Menschen - wir haben die Macht, sie zu schützen oder Ihrer Vernichtung zuzusehen. Wählen wir den ersten Weg!»

Ein Kind haben, wenn es nicht möglich ist

Kinder in Kambodscha: Photo © Adam Hinton/Plan International Deutschland e.V.Kinder in Kambodscha: Photo © Adam Hinton/Plan International Deutschland e.V.Vielleicht haben Sie davon geträumt, ein Kind zu haben. Auf viele Arten kann diese Traum zunichte werden. Vielleicht aus medizinischen Gründen. Vielleicht haben Sie auch eine Adoption ins Auge gefasst und akzeptieren müssen, dass tausende denselben Traum haben und Ihre Chancen nur gering sind.

Ich zögere bei dem Satz «ein Kind haben», denn meine Vorschläge bedeuten auch, zu respektieren, dass man kein Kind «haben» kann, nicht einmal als leiblicher Elternteil.

Es gibt so viele Wege und so viele Organisationen, um Kindern im eigenen Land und weltweit zu helfen, dass ich unten nur einen beispielhaften erwähnen werde. Welchen Weg auch immer Sie gehen: ich schlage vor, dass Sie bei der Auswahl einer humanitären Organisation darauf achten, dass sie folgende Kriterien erfüllt:

  1. Sie hat eine nachgewiesen erfolgreiche Geschichte, sowohl über die Jahre hinweg als auch in Projekten gemessen. ier sollte es nichts zu verheimlichen geben.
  2. Jeder hat freien Zugriff auf Informationen zu ihren Finanzen, bis hin zum Geschäftsbericht zum Herunterladen auf der Homepage.
  3. Sie ermöglicht Ihnen, ein konkretes Kind zu unterstützen, auch wenn das für Sie vielleicht nur ein Foto und einen knappen Statusbericht von Zeit zu Zeit bedeutet.
  4. Sie fördert das Wohlergehen auch der Familie und der Umgebung des Kindes. Denken Sie an das afrikanische Sprichwort: «Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu aufzuziehen.»
  5. Falls sie im Ausland arbeitet, unterhält sie enge Beziehungen vor Ort und schickt Ihnen regelmäßig Informationen aus erster Hand über die Region.
  6. Sie zwingt Sie zum Loslassen. Das mag für Sie der hrteste Teil sein, aber denken Sie daran: das Ziel ist das Wohlergehen eines Kindes und seiner Umgebung, keine dauerhafte Abhängigkeitsbeziehung.

Meine Frau und ich sind Mitglied unseres Landeszweigs von Plan International geworden. Zuerst haben wir einen umwerfend fröhlichen Jungen aus Kenia gesponsert; das Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen in seinem Dorf und der Region ist erfolgreich abgeschlossen und die Patenschaft musste enden. Seitdem fördern wir ein kleines Mädchen aus dem Sudan.

Plan erfüllt alle aufgelisteten Kriterien ehr als nur gut. Sie kontaktieren sogar Einheimische, die Briefe in die Landessprachen und Dialekte übersetzen können. Für dieses Posting bat ich per Email um ein paar Photos zu ihrer Arbeit, und nach wenigen Stunden hatte ich eine Antwort mit dem Bild als Anhang, das Sie oben sehen. Wie man auf Englisch sagt: «They walk the extra mile.»

Was sehen Sie denn in Ihrem Leben, so aus 50,000 Fuß Höhe? Schreiben Sie mir doch unten einen Kommentar.


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