Stephen R. Coveys «Die 7 Wege zur Effektivität» (4/8): Das Wichtigste zuerst tun


Stephen R. Coveys «Die 7 Wege zur Effektivität. Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg» ist keine schnelle Lektüre und will das auch nicht sein. Für Covey ist Erfolg die Frucht gewohnheitsmäßiger Charakterbildung, die sich mit Aussaat und Ernte vergleichen (und ebenso wenig abkürzen) lässt.

In einer achtteiligen Serie stelle ich die Konzepte des Buchs vor und was ich persönlich daraus gelernt habe. Hier kommt Teil 4 der Serie. Die ganze Serie im Überblick finden Sie hier.

[Hinweis: Falls Sie Anhänger von David Allens Getting Things Done (GTD) sind, dann bietet Ihnen das hier besprochene Kapitel Anregung für das Erledigen von nächsten Schritten, konkret: zur Auswahl eines Schritts aus Ihren To-Do-Listen.]

Effizientes Management

Management lernt sich leichter als Führung. Führung bedeutet, einen inneren Kompass zu entwickeln, während Management bedeutet, diesem Kompass zu folgen. Führung dreht sich um Effektivität (Ziele kennen und überhaupt erreichen), Management um Effizienz: Ziele mit möglichst geringem Mitteleinsatz erreichen. Covey benutzt die Analogie zu einer Leiter: Führung bedeutet, zu entscheiden, gegen welche Wand man die Leiter lehnt. Management bedeutet, die Leiter so schnell wie möglich hochzuklettern.

Das Wichtigste zuerst steht also für gutes Management: die Kunst, die Leiter möglichst schnell hochzuklettern, statt sich mit Nebensächlichkeiten, Reibungsverlusten oder Resignation aufzuhalten. Was wichtig ist, hat man schon mit im vorherigen Schritt bestimmt, siehe: Schon am Anfang das Ende im Sinn haben.

Die Eisenhower-Matrix, nach CoveyDie Eisenhower-Matrix, nach CoveyAn den eigenen Prinzipien wird nicht gerüttelt, selbst wenn man nicht jederzeit jedem gerecht werden kann. Covey beschreibt die Zwickmühlen, in denen wir uns täglich befinden, mit der Eisenhower-Matrix. Abhängig davon, ob etwas wichtig ist (oder nicht) und dringend (oder nicht), fällt es in eine von vier Kategorien, oder Quadranten. Wer nur in Quadrant 1 lebt, kommt vor lauter Krisenbekämpfung gar nicht mehr zum vorausschauenden Planen - ein Teufelskreis. Und wer seine Zeit in den Quadranten 3 und 4 verbrät, mag furchtbar beschäftigt sein oder zumindest scheinen, hat sich aber von seinen Prinzipien wegdrängeln lassen, weil er einen falschen Mittelpunkt für sein Leben gewählt hat. Möglichst viel Zeit im Quadranten 2 zu verbringen ist das Ziel.

Wie wird man nun mit zahllosen, fordernden Situationen am besten fertig, damit man für den Quadranten 2 auch Zeit hat? Covey empfiehlt mehrere Strategien:

  • Nein sagen. Das geht aber nur, wenn man neben diesem «Nein» auch Feuer und Flamme für ein größeres «Ja» ist. Es ist vielen Menschen unangenehm, einen Wunsch oder eine Bitte abzulehnen; nur wer das aufgrund von Prioritäten tut und mit seiner Zeit dann auch etwas Besseres anfängt, kann solche Gefühle vermeiden.
  • Rollen balancieren, nicht Zeit managen. Wer nur kalendergetrieben arbeitet, verbessert dabei nicht zwingend seine Resultate und seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Covey schlägt vor, über die Rollen nachzudenken, die man im Leben spielt (oder spielen will), wie etwa: Vater, Tochter, Arbeitnehmer, Vereinsvorsitzende, … - und sich dann Ziele zu überlegen, die aus den Rollen folgen. Es ist weniger wahrscheinlich, etwas Wichtiges zu vergessen, wenn man alle Aspekte seines Lebens durch die Brille der Rollen betrachtet. Und wenn Kompromisse gemacht werden müssen, wird auch kein Bereich übersehen.
  • Die Woche planen. Wer sich pro Woche zwei Ziele aus jeder Rolle ableitet und einplant, hat nach Covey noch ordentlich Luft im Terminplaner. Eine Woche ist lang genug, um nicht von einem Tag auf den andern zu leben und kurz genug, um flexibel seine Pläne ändern zu können. Konsequenter Weise bieten die käuflichen Franklin-Covey-Terminplaner dann natürlich auch zentral die Woche auf einen Blick.
  • Menschen lassen sich nicht effizient abfertigen. Covey erzählt als Beispiel von einem seiner Söhne, der sich 10-15 Minuten am Telefon eingeplant hatte, um mit seiner Freundin Schluss zu machen. Hat natürlich so nicht funktioniert. Covey plädiert dafür, sich souverän über seinen Terminplaner hinwegzusetzen, wenn es nötig ist: Beziehungspflege geht vor.
  • Auf Stimmigkeit achten. Nur wenn man sich seine Prinzipien, Rollen und Ziele ernsthaft überlegt, aufschreibt und sie ständig vor Augen hat, kann man auf Dauer eine kohärente, integere Persönlichkeit entwickeln. Macht man sich seine Prinzipien nicht klar oder wirft man nicht gewohnheitsmäßig immer wieder den Blick auf seine Aufzeichnungen, dann steigt die Gefahr, sich treiben zu lassen oder getrieben zu werden. Covey verwendet hier ausdrücklich das Wort Disziplin: man muss sein eigener Schüler (lateinisch: discipulus) sein und den eigenen Lehren auch folgen.
  • Sein System in die Tasche stecken. Was auch immer man zum Planen benutzt, es muss immer dabei sein. Auch im Bus. Zum Lesen wie zum Schreiben.

Delegieren lernen

Nicht alles muss man selber erledigen, aber man kann gut oder schlecht delegieren:

  • Handlanger-Delegation (im Original: gofer delegation) ist eine Spielart des Micro-Managements. Jeder Handgriff wird genauestens vorgeschrieben und nachkontrolliert. Anders ist per Definition schlechter, das Heil liegt im sklavischen Festhalten an einer Methode. Der des Chefs natürlich. Kein Wunder, dass die Handlanger kaum je ein befriedigendes Ergebnis erzielen - hätte er es doch nur gleich selbst gemacht!
  • Treuhänder-Delegation (im Original: stewardship delegation, also eigentlich Verwalteramt-Delegation) ist dagegen an Resultaten orientiert, nicht an Methoden. Dem Treuhänder wird zu Beginn erläutert, welche Resultate erwartet werden, welche Leitlinien gelten, welche Mittel ihm zur Verfügung stehe, was seine ganz persönliche Verantwortung ist und welche positiven oder negativen Konsequenzen je nach Ergebnis folgen werden.

Mein Eindruck

Coveys Werkzeug der Rollen gefällt mir ausgesprochen gut. Das mag daran liegen, dass ich langsam alt werde und nicht mehr alles im Kopf behalten will und kann. Gegenüber einem rein kalenderbasierten Ansatz sind die Rollen ein großer Fortschritt, wenn auch noch nicht so weitgehend wie David Allens Konzept der Kontexte. Andererseits fehlt bei Allen wieder der Bezug auf die Rollen, die man im Leben spielt - vergleichbar wäre zumindest ansatzweise seine Metapher der verschiedenen Flughöhen des Denkens, von 50.000 Fuß bis zur Startbahn, auf denen er sein Modell des natürlichen Planens aufzubauen scheint (beginnend beim Zweck eines Projekts bis hin zum ersten nächsten Schritt). Auch für das Weekly Review nach Allen ist ein persönliches Rollenkonzept sehr hilfreich.

Delegiert wird 20 Jahre nach Erscheinen von Coveys Buch allerorten, nominell auch immer schön nach den Prinzipien der Treuhänder-Delegation. Inzwischen hat allerdings die Political Correctness zugeschlagen, das heißt: man ist zwar kein Handlanger mehr (es sei denn, das Unternehmen ist brachial ISO-9000-zertifiziert), denn Aufträge klingen nach Treuhänder-Delegation, sind aber de facto ein MirdochegalwieSiedasschaffen. Würde das Buch heute erscheinen, bräuchte es daher etwas mehr Unterfütterung beim Abschnitt Nein sagen.

Ist Coveys Denken noch zeitgemäß? Ich freue mich über jeden Kommentar unten.

Und weiter…

Demnächst Teil 5 von 8 der Serie: Gewinn/Gewinn denken. Die ganze Serie im Überblick finden Sie hier.

 


Comments

Post new comment

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Adds typographic refinements.

More information about formatting options

CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions. Sorry for the inconvenience.
4 + 5 =
Solve this simple math problem and enter the result. E.g. for 1+3, enter 4.